Zuerst drei Dinge, die du lassen solltest
- Lauf ihm nicht hinterher. Ein Hund, dem man nachläuft, läuft weiter — ob Spiel oder Angst, das Ergebnis ist dasselbe. Bleib stehen, geh in die Hocke, sprich ruhig. Wenn du ihn siehst, dreh dich um und geh von ihm weg; viele Hunde laufen dir dann hinterher.
- Ruf nicht wütend. Ein Hund, der Ärger in deiner Stimme hört, kommt widerwillig zurück oder gar nicht. Ruf ihn so, wie du ihn zum Leckerli rufst.
- Geh nicht gleich weg. Bleib die ersten zehn bis fünfzehn Minuten dort, wo du ihn zuletzt gesehen hast. Viele Hunde kommen nach dem ersten Schreck von selbst zurück — an die Stelle, an der sie dich verlassen haben.
Die ersten 15 Minuten — vor Ort
- Bleib stehen und hör hin. Ein Glöckchen am Halsband, Bellen, Rascheln im Gebüsch. Mach die Musik aus, nimm die Kapuze ab.
- Ruf ihn ruhig und warte. Nicht zehnmal hintereinander — ruf, warte eine halbe Minute, ruf noch einmal. Wenn du eine Pfeife hast oder einen Ton, auf den er trainiert ist, nimm den.
- Merk dir genau Ort und Uhrzeit. Danach fragen alle, die du anrufst, als Erstes, und von diesem Punkt aus beginnt die Suche.
- Wenn du mit jemandem unterwegs bist, teilt euch auf: Eine Person bleibt vor Ort, die andere geht den wahrscheinlichsten Weg ab — nach Hause, zum Auto, zum Wasser, den Weg zurück, den ihr gekommen seid.
Innerhalb einer Stunde — zieh den Kreis weiter
Sag es den Leuten um dich herum. Menschen beim Joggen, auf dem Rad, mit Hund, im Garten. Kurz: Rasse oder Größe, Farbe, Name, deine Nummer. Bitte sie, dir auch dann zu schreiben, wenn sie ihn nur gesehen haben — die Richtung ist so wertvoll wie der Hund.
Schreib in lokale Gruppen. Die Gruppe deines Orts oder Stadtteils, die Gruppe für vermisste und gefundene Tiere in deiner Region, die Gassigeh-Gruppe aus der Nachbarschaft. Ein Beitrag mit Foto, Ort, Uhrzeit und Kontakt. Bitte ums Teilen — eine lokale Gruppe erreicht mehr Leute als dein eigenes Profil.
Ruf dort an, wohin Leute gefundene Hunde bringen.
In Deutschland:
- die Gemeinde — Ordnungsamt oder Fundbüro. Ein gefundener Hund gilt rechtlich als Fundsache und wird der Gemeinde gemeldet; sie bringt ihn unter, meist in einem Tierheim, mit dem sie einen Vertrag hat. Tagsüber das Ordnungsamt, nachts die Polizei,
- das Tierheim, mit dem deine Gemeinde zusammenarbeitet, und die Tierheime der Nachbarorte,
- TASSO oder FINDEFIX — melde deinen Hund in dem Haustierregister als vermisst, in dem er eingetragen ist, kostenlos (mehr dazu unten),
- die Polizei — die örtliche Dienststelle, nicht die 110. So bleibt der Notruf frei; die 110 nur, wenn der Hund den Verkehr gefährdet,
- Tierarztpraxen in der Umgebung — wer einen Hund findet, bringt ihn oft zur nächsten Praxis, um den Chip auslesen zu lassen,
- Jagdpächter und Förster — sie sind täglich in Wald und Feld unterwegs; TASSO empfiehlt, sie zu informieren.
In Österreich:
- in Wien das Fundservice für Haustiere unter +43 1 4000-8060, täglich von 0 bis 24 Uhr,
- außerhalb Wiens das Gemeindeamt, in Statutarstädten den Magistrat — die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister ist Fundbehörde, und dort muss ein Fund gemeldet werden,
- die Bezirkshauptmannschaft oder den Magistrat, Veterinärabteilung — sie sorgt dafür, dass entlaufene Tiere untergebracht werden, in Tierheimen, mit denen das Land Verträge hat,
- das regionale Tierheim und die der Nachbarbezirke — in Niederösterreich ist jedes Tierheim für ein bestimmtes Gebiet zuständig,
- Tierarztpraxen in der Umgebung — wer einen Hund findet, bringt ihn oft zur nächsten Praxis, um den Chip auslesen zu lassen,
- die Polizeiinspektion — viele melden einen Fund auch dort, zuständig sind aber Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft.
Sag bei jedem Anruf dasselbe: wo, wann, wie er aussieht, die Chipnummer und deine Nummer. Bitte darum, dass sie es notieren — der gefundene Hund kommt vielleicht erst morgen.
Lass vor Ort etwas liegen, das nach Zuhause riecht. Deinen Pulli, seine Decke, einen Napf mit Wasser. Ein Hund, der nachts an die Stelle zurückkommt, an der er dich verloren hat, hat dann einen Grund, dort zu bleiben und zu warten. Wenn du kannst, geh regelmäßig wieder hin — morgens, abends, nachts, wenn es still ist.
Chip und Register — was du jetzt prüfst, nicht später
Hat dein Hund einen Chip unter der Haut, hilft das — aber nur, wenn ihn jemand ausliest und im Register deine aktuelle Nummer steht.
- Der Chip sendet nichts. Er ist ein passiver Transponder mit einer fünfzehnstelligen Nummer, den ein Lesegerät aus wenigen Zentimetern ausliest. Ein Lesegerät haben Tierarztpraxen und Tierheime, oft auch Polizei und Ordnungsamt — nicht die Person, die deinem Hund im Wald begegnet. Der Chip hilft also erst, wenn jemand den Hund einfängt und irgendwohin bringt.
- Die Nummer führt zu einem Register — und das ist in jedem Land anders.
- In Deutschland gibt es keine bundesweite Pflicht, einen Hund chippen und registrieren zu lassen. Acht der sechzehn Bundesländer schreiben den Chip für alle Hunde vor, Bayern und Sachsen gar nicht. Wiedergefunden werden Hunde vor allem über die privaten Haustierregister TASSO und FINDEFIX: Beide sind kostenlos, bei TASSO änderst du deine Daten selbst online in MeinTASSO. Wer deinen Hund findet, bekommt deine Kontaktdaten nur mit deiner Zustimmung, sonst stellt das Register den Kontakt her. Einige Länder — Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt — führen zusätzlich ein eigenes Hunderegister; das dient den Behörden, und wer den Hund findet, sieht dort nichts. Melde deinen Hund bei TASSO oder FINDEFIX als vermisst — heute.
- In Österreich ist der Chip für alle Hunde Pflicht: spätestens mit drei Monaten, jedenfalls vor der ersten Weitergabe. Der Hund muss in der staatlichen Heimtierdatenbank eingetragen sein (heimtierdatenbank.ehealth.gv.at); seit 2025 trägt ihn die Tierarztpraxis beim ersten Chippen selbst ein. Deine Kontaktdaten änderst du online mit ID Austria, kostenlos. Wer die Chipnummer in die öffentliche Suche eingibt, sieht Name, Rasse und Geschlecht des Hundes — wie man dich erreicht, aber nur, wenn du „Kontaktdaten im Suchergebnis“ angehakt hast. Private Meldestellen wie Animal Data oder PETCARD geben Daten an die Heimtierdatenbank weiter; ein Eintrag nur dort erfüllt die Pflicht nicht.
- Prüf, was im Register steht. Wenn du seit dem Chippen die Nummer gewechselt hast, umgezogen bist oder den Hund aus einer Zucht oder aus dem Tierheim übernommen hast, ist die Chance groß, dass der Eintrag zu jemand anderem führt. Tierheime erleben nach jedem Silvester dasselbe: Der Hund ist gechippt, aber der Eintrag führt nirgendwohin — und bei TASSO werden an Silvester und Neujahr mehr als doppelt so viele Hunde als vermisst gemeldet wie an einem gewöhnlichen Tag. Schau in Deutschland bei TASSO oder FINDEFIX nach, in Österreich in der Heimtierdatenbank. Die Chipnummer kennt auch deine Tierarztpraxis.
- Hab die Chipnummer immer dabei. Im Handy, als Foto vom Heimtierausweis. Jedes Tierheim fragt als Erstes danach.
Nachmittags und abends — wenn er nicht aufgetaucht ist
- Druck Plakate. Ein Foto über die ganze Seite, ein einziges Wort, „VERMISST“, der Name, Ort und Zeitpunkt, eine Telefonnummer. Kein langer Text — man liest es aus dem Auto und vom Rad. TASSO rät, wegen Betrügern nicht die eigene Nummer daraufzuschreiben, und erstellt für gemeldete Tiere kostenlos ein Suchplakat ohne deine Nummer. Frag in Geschäften und Tierarztpraxen, ob du es aufhängen darfst; an Laternen und Bäumen ist das vielerorts nur mit Erlaubnis der Gemeinde erlaubt.
- Geh die Umgebung zu Fuß ab, langsam, mit seinem Lieblingsspielzeug. Ein Hund, der Angst hat, meldet sich nicht — aber vielleicht bewegt er sich, wenn er das vertraute Geräusch seines Napfs oder Spielzeugs hört.
- Sieh dort nach, wo er sich verstecken kann: Büsche, Gräben, Garagen, unter Vordächern, auf Baustellen. Ein verängstigter Hund sucht sich ein ruhiges Versteck, keine offene Fläche.
- Ruf ein zweites Mal in den Tierheimen an. Morgens haben sie deine Verlustmeldung notiert, abends haben sie vielleicht einen Hund aufgenommen, den jemand erst am Nachmittag bemerkt hat.
Wie lange ein Tierheim einen Fundhund behält, ist nicht überall gleich — und oft kürzer, als man denkt. In Deutschland schreibt kein Gesetz dem Tierheim eine Frist vor. Die sechs Monate aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch betreffen nur die Frage, wann die Person, die den Fund gemeldet hat, Eigentum am Hund erwerben kann — vermittelt werden kann er früher. In Berlin kommt ein Fundtier nach fünf Tagen in der amtlichen Tiersammelstelle ins Tierheim Berlin und kann dann vermittelt werden. In Österreich veröffentlicht die Behörde einen gefundenen Hund. Meldet sich innerhalb eines Monats nach der Veröffentlichung niemand, darf sie ihn weitergeben — wer sich später meldet, bekommt nur noch den Wert des Hundes abzüglich der Kosten, nicht den Hund. Ruf deshalb noch am selben Tag an und am nächsten Morgen wieder.
Die Nacht
Die meiste verlorene Zeit vergeht nicht in der ersten Stunde, sondern in der ersten Nacht. Ein paar Dinge, die helfen:
- Eine stille Nacht ist auf deiner Seite. Ohne Autos und Menschen hört der Hund weiter — und du auch. Geh nach Einbruch der Dunkelheit an die Stelle, an der er verschwunden ist, und ruf ihn ruhig.
- Licht hilft dem Hund, dich zu finden, nicht umgekehrt. Die Taschenlampe auf den Boden richten, nicht in die Augen.
- Lass das Gartentor oder die Garage offen, wenn du in der Nähe wohnst. Nachts kommen Hunde öfter nach Hause, als man denkt.
- Feuerwerk und Gewitter: Ist der Hund wegen Lärm weggelaufen, rennt er weit und schnell und versteckt sich erst, wenn der Lärm aufhört. Such ihn am Morgen, nicht mitten im Knallen — und such weiter weg, als es vernünftig scheint.
Wenn er wieder da ist
- Schimpf nicht mit ihm. Auch wenn es der schlimmste Tag des Jahres war. Der Hund merkt sich, dass Zurückkommen Ärger bedeutet — und kommt beim nächsten Mal später.
- Bedank dich und beende die Suche. Schreib in die Gruppen, ruf im Tierheim an, nimm die Vermisstenmeldung zurück, häng die Plakate ab. Die Leute, die geholfen haben, haben das verdient — und du gibst die Aufmerksamkeit frei für die nächste Suche.
- Untersuch deinen Hund. Pfoten, Maul, Bauch. Wenn er aus einer Pfütze getrunken oder etwas gefressen hat, beobachte ihn ein, zwei Tage.
- Beheb die Ursache. Das Loch im Zaun, das locker gewordene Halsband, das Tor, das nicht richtig schließt. Ein Hund, der einmal weggelaufen ist, ist weggelaufen, weil es ging.
So sieht es mit Tifik aus
Ein GPS-Halsband ändert nichts an allem, was oben steht — es ändert nur, wo du anfängst. Nicht an der Stelle, an der du deinen Hund zuletzt gesehen hast, sondern dort, wo er gerade ist.
- Du schaltest auf Live-Tracking, und der Standort aktualisiert sich alle paar Sekunden. Du rätst die Richtung nicht — du gehst dem Punkt auf der Karte nach.
- Du lässt ihn per Handy leuchten und piepen — auch wenn er zu Hause oder gleich nebenan ist. Ein Hund im Gebüsch um halb elf in der Nacht ist mit Licht schneller gefunden als mit bloßem Auge.
- Die sichere Zone meldet dir, wenn der Hund sie verlässt. Du erfährst von der Flucht, bevor dir das leere Sofa auffällt.
- Der QR-Code auf dem Gehäuse ist für die Person, die ihn findet. Sie fotografiert ihn mit dem Handy, und es öffnet sich eine Seite mit dem Namen des Hundes und einem Knopf „Ich habe ihn gefunden“ — ohne Chiplesegerät, ohne App. Du bekommst eine Nachricht, und ihr kommt über uns in Kontakt, ohne dass deine Nummer öffentlich wird.
- Das Halsband ersetzt den Chip nicht. In Österreich und in vielen deutschen Bundesländern ist der Chip Pflicht, und er ist dauerhaft und lässt sich nicht abnehmen. Das Halsband löst die umgekehrte Aufgabe — nicht wer dieser Hund ist, sondern wo dieser Hund ist, und zwar genau in der Stunde, um die es in diesem Artikel geht.
Es funktioniert überall, wo es Mobilfunkempfang gibt, auch auf Reisen in Europa. Und die Daten deines Hundes kannst du jederzeit exportieren und schicken, wem du willst.